die Gurtfarben
Bedeutung und symbolik der gurtfarben
DER WEISSGURT (ohne Kyu) ![]()
Die Stufe der Reinheit und der vorhandenen Möglichkeiten
In der Natur kommt weder schwarz noch weiss â wenn ĂŒberhaupt â in seiner reinsten Form vor, deshalb werden beide Erscheinungen oft als Nichtfarben bezeichnet. Weiss reflektiert alle Lichtquellen, nimmt also keine auf, da es schon das ganze Farbspektrum enthĂ€lt. Der Weissgurt symbolisiert somit die Möglichkeit des neuen SchĂŒlers, höhere Stufen zu erreichen. Du hast es in dir â durch das Training wirst du es aus dir herausholen. Emerson erinnert uns: âNur das, was in uns liegt, können wir auch in der Aussenwelt wahrnehmenâ. All deine TrĂ€ume und Hoffnungen stecken schon in dir drin. Dies gleicht einem Edelstein, der durch Schlammschichten verkrustet ist, die mit dem âMeissel der Entschlossenheit und des Vertrauensâ nur noch weg gespitzt werden mĂŒssen.
Weiss symbolisiert die Reinheit. Der neue SchĂŒler wird als rein bezeichnet, weil er nichts ĂŒber die Anforderungen der Kunst weiss, gar keine Erfahrung darin hat. Das Herz des Weissgurtes ist voller Hoffnung. Aus dieser Hoffnung spriesst der erste Enthusiasmus, zu trainieren und zu lernen. Höre dem Lehrer zu und lerne, reflexartig auf seine Anweisungen zu reagieren.
Schon von der ersten Rumpfbeuge an ist die Reinheit des Weissgurtes fĂŒr immer vergangen, dies kann nicht wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Der GĂŒrtel nimmt Schweiss und Staubpartikel auf und verliert dabei seine ursprĂŒngliche Farbe. Die Reise nach oben durch das Farbenspektrum hat begonnen. Setze dir Ziele im Training und arbeite unaufhaltsam darauf hin.
Neben dem Schwarzgurt ist der Weissgurt der Wichtigste im Leben des Karateka. All die neuen Techniken, all die Regeln und Anforderungen im Dojo, all die neuen körperlichen und geistigen AnsprĂŒche stellen die wichtigsten Punkte dieser Stufe dar â durch Hingabe kann sich dein ganzes Leben fĂŒr immer verĂ€ndern, wie weit du dabei gehen willst, bleibt ganz dir ĂŒberlassen.
Als Weissgurt brauchst du nicht zu eilen. Konzentriere dich darauf, die grundlegenden Dojo-Regeln der Höflichkeit zu erlernen, und entwickle die Gewohnheit des regelmĂ€ssigen Trainingsbesuches. Arbeite bestĂ€ndig an deiner Fitness. Gewöhne dich an den Ablauf des normalen Trainings. Zeige dir selber, dass du gewillt bist, die erwĂŒnschten Anstrengungen zu erbringen. Niemand nimmt dir ĂŒbel, dass du gewisse Techniken nicht ausfĂŒhren kannst, aber wenn du Bereitschaft zeigst alles zu tun, um sie zu erlernen, so werden dir alle mit VergnĂŒgen dabei helfen. Die unausgesprochene Regel des Dojos lautet, dass man fĂŒr die Bereitwilligkeit, etwas zu leisten, akzeptiert wird. Es ist ĂŒberhaupt keine Schande, ein Weissgurt zu sein. Trage ihn mit Stolz. Auch der Meister war einmal ein Weissgurt. Aber gib immer dein Bestes. Das ist das einzige, was man von dir verlangt.
DER ROTGURT (10. / 9. Kyu) ![]()
Die Stufe der StabilitÀt
Rot entspricht der Eigenschaft der Masse oder des Widerstandes. Es ist die Farbe des menschlichen Steissbeinzentrums, dessen Element die Erde ist, das gröbste der Elemente. Nach einigen Monaten harten Trainings wird sich der Gurt des neuen SchĂŒlers etwas beschmutzt haben und erhĂ€lt deshalb eine leichte dunklere Schattierung. Dies ist der Zeitpunkt, sich auf die PrĂŒfung zum Rotgurt vorzubereiten. Man lĂ€sst die Nichtfarbe Weiss hinter sich zurĂŒck, um den ersten Schritt auf dem Wege seiner Entwicklung zu nehmen.
FĂŒr den SchĂŒler, der fĂŒr die RotgurtprĂŒfung trainiert, bedeutet das Element Erde, dass StabilitĂ€t in seinem Training ein Schwerpunkt sein soll. Der Hauptbelang ist das Verstehen der körperlichen Grundlagen. Dies kann durch das konzentrierte Ăben der StabilitĂ€ts-Grundstellungen zenkutsu-dachi, sanchin-dachi und kiba-dachi und durch die Körperkontrolle beim korrekten Gleiten ĂŒber den Boden in diesen Stellungen erreicht werden. Sosai Oyama sagte seinen SchĂŒlern oft: âtachi sannenâ, âdrei Jahre fĂŒr die Grundstellungenâ. Der Karateka beginnt seine ernste Reise mit dem Erlernen, die richtige Stellung zu fĂŒhlen. Durch die verbesserte StabilitĂ€t erhĂ€lt man ein elementares GefĂŒhl fĂŒr dynamisches Gleichgewicht.
Die grundsĂ€tzliche Kontrolle des Gleichgewichtes im Karate erhĂ€lt man, indem man lernt, das in sich zentrierte Gewicht zu fĂŒhlen. Dies fördert gute Haltung, was Mas Oyama in den KampfkĂŒnsten fĂŒr einen sehr wesentlichen Punkt hielt. Korrekte Stellung erlaubt uns, den Gegner klar zu sehen, uns völlig auf seine, wie auch unsere eigenen Absichten zu konzentrieren.
Mit solchem Training entwickelt man eine grundsĂ€tzliche, sehr praktische FeinfĂŒhligkeit in den FĂŒssen und Beinen â man fĂŒhlt, wie man richtig in einer Stellung steht. Fudo! Kraft und Fortschritt bauen auf einer festen Grundlage auf.
Die Grundlage findet man nicht nur in sich selber, sondern auch im Trainingsumfeld, dem Dojo. Um gleichmĂ€ssigen Fortschritt zu erzielen, sollte der angehende Rotgurt grĂŒndlich mit den Verhaltensregeln und VorgĂ€ngen im Dojo vertraut sein, worauf sich das Training wie das Leben des Karatekas abstĂŒtzt.
Der sich auf den Rotgurt vorbereitende Weissgurt versteht das Karate nur oberflĂ€chlich, sein Karatestil widerspiegelt dies. Sein Bewusstsein beschrĂ€nkt sich auf Muskelgewebe und Knochen. Das Training konzentriert sich grob gesagt auf das Bewegen derselben. Man hört hin und wieder die Aussage fortgeschrittener SchĂŒler bezĂŒglich des KĂ€mpfens mit Weiss- und Rotgurten, dass jene nur aus Knochen, Knien oder Ellbogen bestĂŒnden. Dort befindet sich das Bewusstsein des AnfĂ€ngers.
Um die Techniken zu erlernen, muss man zuerst wissen, wann die verschiedenen Körperteile wo sein sollten. Auf Anliegen wie das Erreichen maximaler Kraft mittels Technik kann man erst nach dem grundsÀtzlichen VerstÀndnis der Positionierung des Körpers und der Koordination aller Körperteile eingehen.
So baut man sich die Grundlage fĂŒr einen starken, geradlinigen Weg. Die gute Grundlage ist unerlĂ€sslich fĂŒr das Erreichen eines höheren Niveaus auf irgendeinem Gebiet. Miyamoto Musashi vergleicht den Lebensweg des KampfkĂŒnstlers mit dem eines Zimmermanns, der, um etwas Gutes leisten zu können, Werkzeuge haben muss, die immer aufs schĂ€rfste geschliffen sind.
Wenn der Zeitpunkt der RotgurtprĂŒfung gekommen ist, hat sich die grundlegende Gewohnheit einer guten körperlichen Fitness schon eingespielt. Man nimmt den neuen Lebensstil voller Ehrgeiz, Dankbarkeit, Ausdauer und Lebenskraft an. Man muss sich selbst dazu verpflichten, an den Trainings teilzunehmen. Ăberwinde die selbstschadende Sturheit, die dem Wunsch nach persönlicher Verbesserung entgegenhĂ€lt, indem sie dazu verfĂŒhrt, bei der kleinsten, billigsten Entschuldigung dem Dojo fernzubleiben. Der Rotgurt sollt versuchen, begeistert am Training teilzunehmen und auch seine TrĂ€ume von grossartigeren zukĂŒnftigen Ereignissen zu bewahren.
DER BLAUGURT (8. / 7. Kyu)![]()
Die Stufe der fliessenden Bewegung und der AnpassungsfÀhigkeit
Nachdem man nach einiger Zeit das Rotgurtprogramm gelernt hat, sollte man sich auf den achten Kyu, den Blaugurt, vorbereiten. In Japan sagt man diesem Grad auch zizu-iru obi, âGrad der Farbe des Wassersâ, oder hellblauer Gurt. Diese Farbe symbolisiert das Element Wasser, das zum menschlichen Kreuzbein â RĂŒckenmarkszentrum gehört. Obwohl die Farbe dieses Zentrums eigentlich organge ist (deshalb haben andere Kampfkunstsysteme an dieser Stelle den Orangegurt), erinnert das Hellblau den Karateka an die fliessende Art des Wassers.
Der auf den Blaugurt trainierende Karateka entwickelt die grundsĂ€tzliche FĂ€higkeit, sich aufgrund verschiedener Reize flĂŒssig an etwas anzupassen, darauf zu reagieren, wie sich das Wasser der Form der es enthaltenden GefĂ€sse anschmiegt. Diese FĂ€higkeit verbessert man durch Kumite, zuerst Yakusoku â Kumite, spĂ€ter Jiyu â Kumite â freier Kampf.
UnabhĂ€ngigkeit wird sich einstellen und der angehende Blaugurt beginnt, sich zu ĂŒberlegen, wie er sich das Karate aneignen kann, um seinen körperlichen StĂ€rken und SchwĂ€chen am besten zu entsprechen. Der Blaugurt konzentriert sich auf die Handtechniken, speziell auf das FĂŒhlen des richtigen Griffes, was so wichtig ist, aber oft ĂŒbersehen wird. âNigiri sannen, tachi sannen, tsuki sannenâ. âDrei Jahre fĂŒr den Griff, drei Jahre fĂŒr die Stellung, drei Jahre fĂŒr den Schlagâ. Als Rotgurt verbrachte der SchĂŒler viel Zeit mit der Entwicklung des GefĂŒhls fĂŒr die Festigkeit seines Standes. Die nĂ€chsten zwei oder drei Jahre wird der Karateka tĂ€glich daran weiterarbeiten, wĂ€hrenddem er versucht, das GefĂŒhl fĂŒr den richtigen Griff zu entwickeln. Indem er dies mit der korrekten Stellung koordiniert, kann der Karateka versuchen, das GefĂŒhl fĂŒr den richtigen Schlag zu fördern.
Mit dem entsprechenden Training entwickelt man einen starken Körper, vor allem Oberkörper und Arme. Der Karateka trĂ€gt mit einer ihm liegenden OberkörperstĂ€rkund zusĂ€tzlich dazu bei, sollte jedoch LiegestĂŒtzen auf Knöcheln oder Fingerspitzen, ab dem 16. Alterjahr, spezielle Achtung schenken. Das Erdelement (Rotgurt) wird aber auch nicht vernachlĂ€ssigt: neue Stellungen, Bewegungskonzepte und FussarbeitablĂ€ufe werden entwickelt, um den wachsenden Körper des Wissens zu stĂ€rken.
Eine der StĂ€rken des Blaugurts sollte körperliche und geistige FelxibilitĂ€t sein, deshalb sollte er sich an regelmĂ€ssiges Dehnen gewöhnen, um seine Geschmeidigkeit zu verbessern. Er lernt auch, sich anzupassen, indem er die SchwĂ€che ĂŒberwindet, alles und jedes mit einer starren geistigen Einstellung anzugehen.
Diese FlexibilitĂ€t erlaubt den Fortschritt zu den Anforderungen des nĂ€chsten Grades. Kombiniert mit der Fitness und dem Wissen des Rotgurtniveaus kann der Karateka Koordination entwickeln â er lernt, Gleichgewicht und Technik die ganze Zeit ĂŒber zu kontrollieren. Dies gestattet wiederum, dass man alle Waffen in seinem Arsenal nicht einfach als unabhĂ€ngige Dinge erkennt, sondern als die vielen Facetten derselben Einheit.
Vor allem lernt der Blaugurt jedoch, das nörgelnde DrĂ€ngen âes leicht zu nehmenâ zu ĂŒberwinden, ohne entmutigt zu werden. Dies ist wichtig. Diese Trockenzeiten, wie sie genannt werden, so sich Enthusiasmus manchmal bis zum Punkt der Verzweiflung wendet, können dem Karateka jederzeit in seinem Leben erscheinen. Sie gehören auch zum Training, niemand ist immun gegen die Verwirrung, die sie stiften. Deshalb ist es ausserordentlich wichtig, dass man sie erkennt und mit ihnen richtig umgehen kann.
Das Training fĂŒr den Blaugurt ist energetisch. Der SchĂŒler beginnt wirklich, die durch Karate verbesserte Gesundheit zu spĂŒren, die verbesserte Durchblutung und Muskeltonus, das stĂ€rkere Herz-Kreislauf-System, weniger Körperfett, vergrösserte KörperstĂ€rke und ein allgemeines GefĂŒhl des Wohlbefindens. Der Bezug des SchĂŒlers zum Karate wird gefestigt. Er versucht, die negativen ZĂŒge des Elementes Wasser zu ĂŒberwinden, wie zum Beispiel Stolz und GleichgĂŒltigkeit â er sollte jetzt zusĂ€tzlich unter anderem die Geschichte des Karate, die Terminologie, Verhaltensregeln studieren.
Kenne deine Grenzen und sieh ein, dass es noch viel zu lernen gibt. Die Stufe des Blaugurtes besteht aus einer Phase der Vertiefung des Stoffes des Rotgurtes und des Studiums und Aneignens des Gelbgurtprogrammes.
Im Wesentlichen durchlĂ€uft Wasser all seine Stadien unverĂ€ndert. Ob im ruhigen, besĂ€nftigenden Rieseln eines BĂ€chleins, im Tosen eines Wasserfalles oder in der Gewalt einer Gezeitenweisse â das Element ist und bleibt Wasser. Der Karateka muss lernen, sich auch im Leben anzupassen, alle AktivitĂ€ten im gleichen ungestörten Geisteszustand auszufĂŒhren. Ob ruhig beim Rasten, oder inmitten einer wilden Schlacht bleiben Geist und Seele des wahren Karatekas unerschĂŒttert.
Man nennt diese Haltung heijoshin â den unverĂ€nderten und unberĂŒhrten Geisteszustand. Als Karateka sollten wir immer nach diesem Zustand streben, denn nur diejenigen, welche die stĂ€ndige unberĂŒhrte Gegenwart des Geistes erhalten können, sind fĂ€hig, den Weg der KampfkĂŒnste vollstĂ€ndig zu begehen. Der Verlust der Selbstkontrolle fĂŒhrt zu ungezĂŒgelter Wut und Angst. Das wĂŒrde bedeuten, dass KĂ€mpfen zu einer körperlichen TĂ€tigkeit wĂŒrde. KĂ€mpfen ist eine Geistesangelegenheit. Zeige keine GefĂŒhle. Der Verlust des geistigen Gleichgewichtes zieht den Verlust der geistigen StĂ€rke mit sich. Der gefĂ€hrlichste Mensch ist derjenige, der im Angesicht der Gefahr keine GefĂŒhle zeigt. Dies ist heijoshin.
DER GELBGURT (6. / 5. Kyu)![]()
Die Stufe der Behauptung
Nach etwa sechs Monaten ernsthaften Trainings legt der Blaugurt die PrĂŒfung fĂŒr den sechsten Kyu, also Gelbgurt, ab. Die Farbe Gelb entspricht dem dritten menschlichen RĂŒckenmarkszentrum, dessen Element das Feuer ist. Durch die PolaritĂ€t steht dieses Zentrum in Verbindung mit seika tanden, der einen Stelle im tieferen Unterleib, welche in der japanischen Philosophie und in den Ăberlieferungen der KampfkĂŒnste so oft erwĂ€hnt wird. In ihr sammelt sich die psychisch-kreative Energie, sie ist das körperliche Zentrum des Gleichgewichtes und liegt unterhalb des Bauchnabels. Man nennt diese Region des Unterleibes auch Hara. Der auf den Gelbgurt trainierende SchĂŒler sammelt sein Bewusstsein im Hara. Demzufolge sollte er versuchen, das Prinzip zu verstehen, Kraft durch HĂŒfte und Taille zu entwickeln. Durch viel Training lernt man, das die Kraft eines Schlages oder Trittes nicht in der Hand oder im FuĂ entsteht. Das Bewegen des schlagenden Körperteils ist von zweitrangiger Bedeutung â es ist der Körper, hauptsĂ€chlich der Hara, der diese Kraft erzeugt.
Sosai Oyama betonte im Training hĂ€ufig, daĂ man sein Bewusstsein im Hara fokussieren soll. Beim Schlagen konzentriert man sein Bewusstsein zusĂ€tzlich auf den Latissimus dorsi, der dazu beitrĂ€gt, den Ellenbogen nahe am Körper zu halten und so die Einheit von Körper und Arm ermöglicht. Auf diese Weise ermöglicht man dem Hara, seine Kraft durch den Arm zu ĂŒbertragen. Wenn man sich beim Trainieren nicht auf den Hara konzentriert, erhĂ€lt man den Eindruck des Auf- und Niederwippens; der Körper scheint zu versuchen, Kraft nur aus der Schulter zu generieren. Kralle dich mit den Zehen in den Boden, senke deinen Schwerpunkt und fĂŒhle, wie du durch eine unsichtbare Verbindung, die dich vom GĂŒrtel an abwĂ€rts zieht, mit dem Boden verwurzelt bist. Konzentriere dich auf den Hara und fĂŒhle wie die Energie daraus strömt. Deine FĂ€higkeiten werden sich drastisch verbessern.
Die Kraft, die aus dem Hara kommt â im Gegensatz zu der von Armen und Schultern â kann mit dem Abfeuern eines Hochleistungsgewehres verglichen werden. Du kannst versuchen, die Kugel von Hand so weit wie möglich zu werfen, aber es wird dir natĂŒrlich nicht gelingen, die gleiche Durchschlagkraft wie die des Gewehrs zu erreichen. Man sieht, die zerstörerische Kraft der Kugel steckt nicht in der Kugel selbst, sie hĂ€ngt eher vom ZĂŒndpulver und von der Bohrung des Gewehrs ab. Dasselbe gilt auch fĂŒr die Kraft eines Schlages: Sie hat sehr wenig mit der Hand zu tun, aber alles mit der Energie, die im Körper erzeugt wird. NatĂŒrlich trĂ€gt die Kraft in der Hand, vor allem der feste Griff, viel dazu bei, diese Durchschlagkraft zu ermöglichen. Eine weiche Schaumstoffkugel, die aus einem Gewehr abgefeuert wird, erzielt nicht die normale Feuerkraft des Gewehres. Eine schwache Hand ist nicht fĂ€hig, die im Hara erzeugte Energie vollstĂ€ndig zu ĂŒbertragen.
Durch die Vorbereitung auf den Gelbgurt wird sich der Karateka ĂŒber die wichtige Rolle der âeinen Stelleâ besonders bewusst. Er erinnert sich vor jedem Training daran, wĂ€hrenddem er sich den Knoten des Obi (GĂŒrtel) bindet. Der Obi wird direkt ĂŒber dem Hara geknotet, so verbindet er symbolisch als Vorbereitung auf das Training Körper und Geist an dieser Stelle. Demzufolge sollte man das Binden des Obi als Ritual betrachten, die Konzentration bedĂ€chtig in den Knoten und ins Energiezentrum zentrierend, welches darunter liegt. Falls dein Geist im Training abschweift, dann drĂŒcke den Knoten des Obi einfach ein wenig hinein; du fĂŒhlst den leichten Druck auf dem Hara und bringst deine Konzentration bewusst dorthin zurĂŒck, wo sie sein sollte.
Bis zum Gelbgurt konzentriert sich der SchĂŒler lediglich auf die körperlichen Aspekte â Gleichgewicht, StabilitĂ€t, Koordination von Auge und Hand und allgemeine technische FĂ€higkeiten. Der Gelbgurt sollte sich nun nicht mehr nur mit körperlichem Training, dynamischem Gleichgewicht und Koordination befassen, sondern auch mit den psychologischen Aspekten des Trainings â Auffassungsgabe, Wachsamkeit, Bestimmtheit und andere Ausdrucksformen der Willenskraft.
Das Element Feuer belebt uns und macht uns auf die dynamische Kraft des Willens im Karate aufmerksam. Als Gelbgurt benĂŒtzt der SchĂŒler Intellekt und Aufmerksamkeit, indem er die grundlegenden körperlichen Konzepte des Karate mit den immensen Möglichkeiten seines Geistes koordiniert. Das Selbstvertrauen in seine heranwachsenden FĂ€higkeiten wird gestĂ€rkt, seine Handlungen werden sicherer. Der Gelbgurt vertieft sein Karatewissen und lernt, alle Bewegungen auf eine reine und korrekte Art auszufĂŒhren.
Dies ist wichtig, da ohne diese technische Exaktheit auf einer höheren Stufe weiterer Fortschritt extrem schwierig wird. Wer nicht jetzt schon viel Zeit fĂŒr die Vertiefung der grundsĂ€tzlichen Prinzipien von Stellung, Gleichgewicht oder Koordination aufwendet, wird hĂ€ufig ernsthafte Probleme haben, wenn er so fortgeschrittene Stufen wie Braun- oder Schwarzgurt erreicht. Dies nur wegen sehr fundamentaler SchwĂ€chen, die in diesem frĂŒhen Stadium mit vergleichsweise geringem Aufwand schon hĂ€tten im Keim erstickt werden können. Die Verantwortung dafĂŒr liegt mindestens ebenso beim Lehrer wie beim SchĂŒler.
Indem man versucht, ohne technisch ungenau zu werden die Techniken mit höherer Geschwindigkeit auszufĂŒhren, strengt man sich erstmals an, Körper und Geist in Bezug auf technische Verfeinerungen zu koordinieren. Um zu verstehen, wie sich die Kraft durch die Anwendung der Technik ausdrĂŒckt, durchlĂ€uft man einen zweiteiligen Prozess. Zuerst muss man die korrekten Grundtechniken in die körperlichen und mentalen Systeme einprĂ€gen. Dann nimmt der Gelbgurt den nĂ€chsten Schritt, indem er die korrekten Techniken mit Geschwindigkeit kombiniert. Das Training am Sandsack, mit dem Makiwara (Schlagbrett) oder im harten Kumite (Kampf) dient hauptsĂ€chlich der Vorbereitung des Körpers auf den immensen Schock, den er aufnehmen und abgeben kann, wenn perfektionierte Technik mit Geschwindigkeit kombiniert wird. Dies lehrt den Körper, wie es sich anfĂŒhlt, diese Kraft anzuwenden und wie weit er fĂ€hig ist, diese auszuhalten. Verschwielte Knöchel oder ein starker Griff können nicht viel ausrichten, wenn man die Koordination von korrekter Technik und Geschwindigkeit nicht beherrscht.
ErbĂ€rmliche psychologische SchwĂ€chen wie RachsĂŒchtigkeit, Pessimismus, Ăbertreibung und Hinterlistigkeit mĂŒssen ernsthaft bekĂ€mpft werden. Man sollte versuchen, diese zu kontrollieren. WĂ€hrenddem der Gelbgurt aber ĂŒber die Rolle seines Geistes im Karate sinniert, vergisst er nicht die Notwendigkeit eines starken, leistungsfĂ€higen Körpers. Im Gegenteil, er intensiviert sein Training mit seinem brennenden Enthusiasmus, denn er erkennt, dass es das körperliche Training ist, das den Geist entwickelt.
Da das Gelbgurtelement das Feuer ist, entwickeln wir ein GefĂŒhl fĂŒr den Körper in Bewegung und fĂŒr das dynamische Wesen feuriger Aggression als brauchbares energetisches Mittel. Diese aggressive VitalitĂ€t wird zum Mittelpunkt der Einstellung des Gelbgurtes zum Karate. Er lernt, dass man Angst ĂŒberwindet, indem man sich ihr zuversichtlich stellt. Der Gelbgurt sollte merken, dass der Geist den Körper kontrolliert. Sosai Oyama erzĂ€hlte von einer GroĂtat der Geisteskontrolle ĂŒber das Fleisch. Er war zugegen, als ein Zen-Priester seine Hand in einen Topf kochendes Wasser hielt, ohne sich dabei irgendwelche Verbrennungen zuzuziehen. Der Priester mahnte den jungen Oyama: âDu kannst alles tun, wenn du nur mit Selbstvertrauen handelst.â Die Kraft, die jemand durch den Körper leiten kann, hĂ€ngt von der StĂ€rke der mentalen Stimulation ab. Die mentale Kraft des Menschen ist groĂ; sein Körper, unterstĂŒtzt durch diese groĂe Kraft, ist mysteriös und jenseits der Modelle der Wissenschaften.
Das Wesen des Karate besteht deshalb aus nichts anderem als einem Training des Geistes ĂŒber den Körper. Deshalb darf Karate, das sich solcher Kraft bedient, nicht falsch oder gewalttĂ€tig angewendet werden. Die Kunst des Karate trachtet nach etwas Tieferem als bloĂer körperlicher Pflege.
Die Gelbgurtstufe ist die letzte der groben AnfĂ€ngerstufen, und hier beginnt der Karateka, den Anfang seiner direkten Kontrolle ĂŒber sein eigenes Leben und seine Umwelt zu fĂŒhlen.
DER GRĂNGURT (4. / 3. Kyu)![]()
Die Stufe des GefĂŒhls, der SensibilitĂ€t
Nach einer Zeit der Vertiefung und des Studiums bereitet sich der Gelbgurt auf die PrĂŒfung fĂŒr den vierten Kyu vor, also fĂŒr den GrĂŒngurt. GrĂŒn setzt sich aus einer Mischung von Gelb (des Feuerelementes) und Blau (des Elementes der Leere) zusammen. Die GrĂŒngurtstufe entspricht einem Sprungbrett â die erste Stufe der fortgeschrittenen Farben. Das entsprechende Tschakra ist das Anahata-Tschakra, welches in der NĂ€he des Herzens liegt, dessen Element die Luft ist.
Bis jetzt war der Karateka in seinen Erfahrungen und Ausdrucksmöglichkeiten ziemlich eingeschrĂ€nkt. Da seine Konzentration jetzt im Herzen sitzt, wird sich der Karateka seiner einzigartigen, differenzierenden Intelligenz sowie der Wichtigkeit von MildtĂ€tigkeit und GĂŒte bewuĂt.
Das Anahata-Tschakra ist das gefĂŒhlvolle Herz. Wenn jemand aufgefordert wird, fĂŒr etwas âein Herz zu habenâ und wirklich Mitleid empfindet, oder wenn jemand ein emotionelles Stechen in der Herzgegend fĂŒhlt, dann ist dies die sich in diesem RĂŒckenmarkszentrum bewegende Energie.
Der angehende GrĂŒngurt lernt, andere so wie sie sind zu akzeptieren, indem er sich bewusst wird, dass hinter allem mehr steckt, als man mit blossem Auge sieht. Man erfĂ€hrt nie die ganze Wahrheit. Somit wird der GrĂŒngurt rĂŒcksichtsvoller anderen gegenĂŒber, seine Persönlichkeit wird ausgewogener. Er realisiert, dass Macht ohne Weisheit und Mitleid destruktiv, gefĂ€hrlich und gefĂŒhllos ist. Sosai teilte uns mit: âStĂ€rke ohne Gerechtigkeit ist Gewalt, Gerechtigkeit ohne StĂ€rke ist UnfĂ€higkeit. â
Der SchĂŒler auf dieser Stufe lernt, was es wirklich bedeutet, andere zu lieben â âauf keinen Fall darf der Karateka dem Schicksal und dem Ergehen anderer Menschen gleichgĂŒltig gegenĂŒberstehen.â
Dies sieht man am deutlichsten an der FĂ€higkeit des GrĂŒngurtes, Karate demĂŒtig und geduldig, nicht mit egoistischer und autoritĂ€rer Unhöflichkeit zu lehren, egal wie wenig davon zu spĂŒren ist.
Wer hofft, den GrĂŒngurt zu erlangen, sollte ernsthaft die im Karate enthaltenen Möglichkeiten sowie dessen Geschichte und Philosophie studieren. GrundsĂ€tzliche menschliche Physiologie, einschliesslich der lebenswichtigen Nervenzentren des Körpers, sollte man auch erforschen. Im Dojo konzentriert sich der GrĂŒngurt hauptsĂ€chlich auf das korrekte Atmen und auf das Verfeinern der Techniken, indem er die Rot-, Blau-, und Gelbgurtanforderungen vertieft.
Bevor man ĂŒberhaupt an den GrĂŒngurt denkt, sollten alle Grundtechniken, Bewegungsmuster und erforderlichen Kata ausgefeilt sein. Der angehende GrĂŒngurt lernt, Technik, Geschwindigkeit und Kraft zu kombinieren; jene Kraft, die er durch hartes Training â Arbeit am Kraftaspekt des Karate â entwickelt hat. Kyokushin ist Kraftkarate. Der GrĂŒngurt sollte fĂ€hig sein, diese Kraft zu demonstrieren.
Man studiert auch grĂŒndlich die feineren Aspekte dieser Stufe â FeingefĂŒhl und Timing. Man muss lernen, die Absichten und das Gleichgewicht eines Gegners zu fĂŒhlen, sowie den Gebrauch der Techniken zeitlich so abzustimmen, dass man den bestmöglichen Effekt erzielt. Man erhĂ€lt einen Einblick in fortgeschrittene technische Konzepte und Methoden und findet persönliche Vorlieben, die man ins eigene Karate aufzunehmen beginnt. Die Reaktionen werden reflexartig, mĂŒssen nicht vorgĂ€ngig ĂŒberlegt werden. Eine Technik lĂ€uft ganz natĂŒrlich ab, ohne zu denken der GrĂŒngurt erlebt kurze Augenblicke des Geisteszustandes, den man ZanÂŹshin nennt: Der Körper handelt ohne jeglichen bewussten Aufwand.
Das Training wird ernsthafter als je zuvor. Man kann sich beim blossen Gedanken an Verbesserung nicht steigern; der QualitÀt des Trainings muss angemessene Betrachtung gezollt werden.
Der GrĂŒngurt strebt danach, im Ăbungskampf eine reife, angstlose Haltung zu erlangen, wĂ€hrenddem er eine tĂ€uschend ruhige und unvoreingenommene Haltung gegenĂŒber der Selbstverteidigung und dem tĂ€glichen Leben einnimmt. Dies ist der erste Schritt beim Lernen ĂŒber die positive TĂ€uschung, der Kunst, GefĂŒhle und FĂ€higkeiten zu verbergen, wo es notwendig ist. Diese FĂ€higkeit ist eine wichtige Waffe im Arsenal jedes Kriegers â im Karate und auch im tĂ€glichen Leben. Es ist nicht immer ein Vorteil, seine persönlichen Meinungen, FĂ€higkeiten und Absichten zu entblössen. Geduld ist meist Erfolg versprechender.
â ErnĂ€hrung
Fitness und Gesundheit sollten nicht lĂ€nger nur ein Gegenstand der theoretischen Betrachtung sein, sondern zur Gewohnheit werden. Man sollte ein grĂŒndliches VerstĂ€ndnis um die verschiedenen Trainingsarten sowie deren Auswirkungen entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt sollte der SchĂŒler auch ernsthaft die ErnĂ€hrung und deren Auswirkungen auf den Körper studieren. Dazu kann man eines der zahlreichen dafĂŒr spezialisierten BĂŒcher zu Rate ziehen. Es ist nicht der Sinn dieser AusfĂŒhrungen, die Leute in Bezug auf die ErnĂ€hrung zu beraten, aber um diesen Teil abzurunden, möchte ich einige kurze und sehr allgemeine Informationen darĂŒber geben.
Die ErnĂ€hrung, die allen Leuten liegt, gibt es nicht. Man sagt, das Fleisch des einen sei das Gift des anderen. Wie auch immer, in unserer Zeit, wo die Lebensmittel voller Konservierungsmittel, Farb- und Aromastoffen sowie Chemikalien gegen Pilz- und Schimmelbefall sind, mĂŒssen wir speziell auf unsere ErnĂ€hrung achten.
Rotes Fleisch enthĂ€lt viele Gifte und viel Fett. Wenn du es wirklich essen musst, dann in gemĂ€ssigter Menge, zusammen mit Lebensmittel, die dem Körper bei der Verdauung helfen; so mag es noch gehen. Heutzutage wird jedoch zu viel rotes Fleisch konsumiert. Es gibt in der Tat ausreichend Beweise fĂŒr die These, dass der Körper sehr wenig, falls ĂŒberhaupt, rotes Fleisch benötigt. Es scheint mehr zu schaden als zu nĂŒtzen. Unser Verdauungssystem ist nĂ€her verwandt mit jenem der Pflanzenfressern als mit dem der Fleischfresser. Wenn man Fleisch essen will, dann besser weisses, mit wenig Fett. So ist zum Beispiel frischer Fisch angebrachter.
Jedem das Seine. Im allgemeinen ist die beste ErnĂ€hrung jede vorsichtig gewĂ€hlte, die dir entspricht. Sie sollte genug komplexe Kohlenhydrate, FettsĂ€uren, Vitamine, Mineralien und genug EiweiĂ liefern. Nicht was man isst, sondern eher was man nicht isst, macht die QualitĂ€t der ErnĂ€hrung aus. Vermeide raffinierte Lebensmittel. Die sind nichts anderes als Gift. Hochraffinierte Nahrung hat die natĂŒrliche QualitĂ€t verloren, denn oft werden synthetische NahrungszusĂ€tze hinzu gegeben, die der Nahrung die natĂŒrliche âLebenskraftâ stehlen. Lies die Etiketten auf den Packungen. Bestandteile werden der Menge entsprechend aufgelistet. Du wirst ĂŒberrascht sein, was alles in sogenannt âgesunder Nahrungâ steckt. Iss gemĂ€Ăigt. Dein Körper ist ein geborgter Tempel â behandle ihn dementsprechend. Du bist, was du isst. BeschĂ€ftige dich mit deiner ErnĂ€hrung, aber vertiefe dich nicht zu sehr darin.
Wenn der Karateka sich entschliesst, Drogen einzunehmen (inklusive Alkohol, Tabak, sogar Koffein), so ist das seine Sache. Aber es wĂ€re intelligenter, sich zuerst zu informieren ĂŒber all deren Auswirkungen und Gefahren fĂŒr den Körper (schnell ersichtlich), den Geist (weniger offensichtlich, jedoch tiefer liegend) und fĂŒr den Willen (noch fast unbekannt â der passionierteste Konsument wĂŒrde sich jedoch den weiteren Gebrauch irgendwelcher Drogen zweimal ĂŒberlegen, wenn er eine Ahnung davon hĂ€tte). Mein persönlicher Vorschlag wĂ€re, alle unerlaubten Drogen sowie Rauchen und Alkohol zu vermeiden. Brauch deinen Verstand und spiele nicht mit Drogen. Falls du ein Hoch brauchst, suche die natĂŒrlichen Hochs von Gesundheit, GlĂŒckseligkeit und einem friedfertigen Herzen.
Der GrĂŒngurt befindet sich auf der Stufe der Reife, Weisheit und Liebe. Dies wird am einfachsten realisiert, wenn man den Wunsch abschĂŒttelt, zuviel zu spekulieren und kopflastig zu sein und so an der einfachen Wahrheit im Herzen der Dinge vorbeigeht. Indem man seine körperliche und mentale StĂ€rke durch das Training entwickelt, wird die Auffassung des GrĂŒngurtes durch Mitleid und VerstĂ€ndnis ausgewogener und harmonischer. Es ist ungeheuer wichtig, dass der GrĂŒngurt sich von ihm nicht bekommenden Einstellungen fernhĂ€lt. Der Weg des Kriegers ist ein Ringen im Herzen. Mit Selbstkontrolle kann man alles erreichen.
Der Karateka lernt, mit anderen zu teilen, anstatt geizig und selbstsĂŒchtig zu sein. Er entwickelt einen Sinn fĂŒr kooperative BrĂŒderlichkeit; er ist nicht falsch, sondern echt und rĂŒcksichtsvoll. Er merkt, dass er fair, mitfĂŒhlend und reif sein muss, wenn ihm die Menschen in- und auĂerhalb des Dojos trauen und ihn respektieren sollen. Er lernt, dass ein praktisches Geheimnis des Lebens darin besteht, ĂŒber sich selber lachen zu können und die Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Ein reifer Karateka zeichnet sich durch seinen guten Sinn fĂŒr Humor aus. Sei ernsthaft in Bezug auf alles was du tust, aber nimm nichts zu ernst.
Die Diskussion des GrĂŒngurtes lĂ€uft bisher darauf hinaus, dass man sich auf dieser Stufe â der ersten der fortgeschrittenenen Stufen (die erste, welche das Wesen des fĂŒnften RĂŒckenmarkszentrums, der allumfassenden Leere, berĂŒhrt) â mit der Rolle des Geistes im Karate sowie im Alltagsleben befaĂt.
Es ist nicht einfach, den Geist zur Ruhe zu bringen. Um diese FĂ€higkeit willentlich zu erlangen, benötigt man unendliche Geduld und Beharrlichkeit. Das Ziel ist, ein Gleichgewicht zwischen den körperlichen und geistigen Seiten zu finden. Das âAufnehmenâ der Verantwortung dieses ersten fortgeschrittenen Grades bedeutet unumgĂ€nglich ein âAblegenâ jeglicher Unreife. Weiterer Fortschritt wird sich kaum einstellen, solange dies nicht geschehen ist.
DER BRAUNGURT (2. / 1. Kyu)![]()
Die praktische, kreative Stufe
Die Braungurtstufe ist eine sehr wichtige; das Training dafĂŒr sollte innerhalb des Rahmens eines ernsten, verantwortlichen und reifen Geistes geschehen. Bis hierhin sollte man stark und wohl vertraut in der AusfĂŒhrung sĂ€mtlicher Techniken sein und trotzdem immer noch danach streben, noch höhere Stufen des Könnens zu erlangen. Im Kampf sollte die FĂ€higkeit, einen rangniedrigeren Gegner durch Timing, DistanzgefĂŒhl und SensibilitĂ€t zu kontrollieren, schon gut entwickelt sein.
Um sich auf das Schwarzgurtniveau vorzubereiten, ĂŒbernimmt der Braungurt langsam viele Verantwortungen im Dojo. Der Braungurt lehrt eine Klasse mit AutoritĂ€t, schöpft dabei sowohl aus seiner persönlichen Erfahrung als auch von der Dojo-Tradition und vom dort Gelernten. Er ist fĂ€hig, die verschiedenen physischen und psychischen Konzepte, wie auch das geistige Potential des Karate, klar und prĂ€zise weiterzugeben. Man wird auf dieser Stufe anders angesehen; sogar der vorher mittelmĂ€Ăigste SchĂŒler wird nach Erreichen dieser Stufe eine andere Ausstrahlung haben.
KreativitĂ€t kann sich ab jetzt am stĂ€rksten entfalten, so dass der Braungurt leicht eigene technische Variationen entwickelt, die auf den psychisch-physischen Grundlagen des Karate aufbauen. Das Kreieren eigener Kata sowie das Experimentieren mit den Bewegungen der Standardkata bilden zwei wichtige neue Seiten des Trainings, die einem auf seiner persönlichen Suche unterstĂŒtzen. Im Laufe dieser Experimente wird der Braungurt ein oder zwei traditionelle Kata finden, die er mit spezieller Aufmerksamkeit studiert und sie sich âaneignetâ. Man wird vielleicht mehrere Jahre damit verbringen, diese Kata zu verfeinern, bis man feststellt, wieviel man von derartigem Training profitieren kann.
Die geistige Einstellung des Braungurtes sollte wachsen wie auf keiner anderen Stufe zuvor. Die jĂŒngeren SchĂŒler sollten fĂŒhlen, dass sie dem Braungurt vertrauen können; er sollte das Vertrauen mit Ehrlichkeit, IntegritĂ€t und LoyalitĂ€t respektieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Braungurt gute Kontrolle ĂŒber jene negativen mentalen ZĂŒge gewonnen, die dazu neigen, sich in die Persönlichkeit einzuschleichen, wenn man nicht aufpasst: Wut, Selbstmitleid, Eifersucht (negative ZĂŒge der Rotgurtstufe); Stolz, Entmutigung, GleichgĂŒltigkeit (negative ZĂŒge der Blaugurtstufe); Ăbertreibung, RachsĂŒchtigkeit, Hinterlistigkeit (negative ZĂŒge der Gelbgurtstufe); Geiz, Betrug, Verrat, Vorurteile (negative ZĂŒge der GrĂŒngurtstufe). Man muss immer wieder einen Schritt zurĂŒcktreten und sich selber betrachten, einfach um sicherzugehen, dass man seiner Persönlichkeit und Gedanken sowie der Vorurteile seines Geistes Herr ist und nicht umgekehrt.
Der Braungurt gibt sich in allen Lebenslagen praktisch veranlagt; er besitzt eine kultivierte Auffassungsgabe. Er hat den letzten der SchĂŒlergrade erreicht, nun ist es Zeit fĂŒr die Vorbereitung auf das Reich des Yudansha, des Schwarzgurtes, wodurch das Bewusstsein sich dauerhaft verĂ€ndert. Somit muss sich der Braungurt mit mutigem Herzen und eisernem Willen zusammennehmen und Vertrauen haben in die Schönheit des vor ihm liegenden Unbekannten.
Der Braungurt stĂ€rkt das Vertrauen und die Entschlossenheit in seinen Weg, indem er die Wege anderer studiert, deren StĂ€rken und SchwĂ€chen feststellt und daraufhin seine eigene Einstellung entsprechend anpasst. So festigt man die StĂ€rke des eigenen Weges. Ohne Vergleichsmöglichkeit können die eigenen Studien dazu neigen, ein verzerrtes Bild zu ergeben. Man kann dabei den Bezug zur RealitĂ€t verlieren, ohne sich dessen bewusst zu werden. Dies kann unabhĂ€ngig davon geschehen, wie ernsthaft jemand trainiert oder wie ĂŒberzeugt man zu sein glaubt. Dies zeigt uns die Wichtigkeit auf, in einer der Tradition verbundenen Schule zu trainieren. Man ist sich eines festen Weges und qualifizierter Lehrer sicher.
Objektive Vergleiche mit anderen Schulen, Dojos sowie anderen SchĂŒlern deiner Schule sind wichtig. Aber vergiss nicht den Grund fĂŒr den Vergleich. Lerne deine eigenen StĂ€rken kennen, indem du die SchwĂ€chen anderer wahrnimmst. Eine der praktischsten Arten, objektive Vergleiche zu ziehen, um seine eigene Technik zu verbessern, ist die Teilnahme an Turnieren. Dort siehst du, ob das Training wirklich effektiv war.
Der Braungurt hĂ€lt seinen Geist offen fĂŒr alle Möglichkeiten. Er lernt, jedermanns StĂ€rke und die IntegritĂ€t und Ehre jeder rechten Sache zu respektieren. Durch die Ăffnung des Geistes muss er sich bemĂŒhen, zwischen richtig und falsch weise zu unterscheiden. Der Braungurt kennt die UnzulĂ€nglichkeiten seiner eigenen Waffen und respektiert die Möglichkeiten seiner Gegner â sowohl die körperlichen wie auch die geistigen.
Der Braungurt realisiert, dass er mit seinen Worten, Einstellungen und Handlungen das Dojo, den gewĂ€hlten Weg und den Lehrer vertritt. Deshalb respektiert er die Verantwortung, die er trĂ€gt und zollt all seinen Worten, Gedanken oder Taten nötige Betrachtung. WĂ€hrend der Braungurt zum Schwarzgurt heranwĂ€chst, lĂ€sst sich mehr denn je die Wichtigkeit und StĂ€rke der Bindung zwischen SchĂŒler und Lehrer erkennen. Die IntegritĂ€t des Kyokushin Karate wird nur durch die QualitĂ€t der Leute zusammengehalten, die es als Yudansha (Schwarzgurt) akzeptiert.
Das japanische Schwert bietet eine ausgezeichnete Analogie: Es ist nicht bloss eine gefĂ€hrliche, zum effizienten und effektiven Töten gemachte Waffe, es ist auch ein wunderbares Kunstwerk. So sollte es auch mit dem Karateka sein. Man hat die Wahl, sich durch die Kunst entweder in ein schönes Kunstwerk, oder in eine gefĂŒhllose und völlig destruktive Waffe zu entwickeln.
Man wird entweder zu einer zivilisierten und rĂŒcksichtsvollen Person â oder zum Terrorist. Die Kunst lehrt uns, zu leben oder zu sterben; leben zu geben, oder zu nehmen. Das Herz sollte der kĂŒnstlerischen Schönheit des Schwertes gleichen. Leben ist ein stĂ€ndiger Kampf â leb es rein und mit der SchĂ€rfe einer Bizen-Klinge, ĂŒberlegen und mit dem unfehlbaren Geist seines Schnittes.
Braun ist eine interessante Mischung aus den drei vorhergehenden Farben â zwei FĂŒnftel rot (körperlich), zwei FĂŒnftel gelb (intellektuell), und ein FĂŒnftel blau (geistig). Der Braungurt sollte nun nĂ€her an das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele herankommen. Es ist aber ein grosser Schritt, und wĂ€hrenddem er zwischen dem vierten und fĂŒnften Zentrum der Entwicklung hin und her schwankt, ist es ebenso möglich, rĂŒckwĂ€rts statt vorwĂ€rts zu gelangen.
Nur allzu oft wird der Karateka als Braungurt selbstgefĂ€llig, zufrieden an der Spitze der SchĂŒlergurte. Diese Person ist noch nicht bereit, die Herausforderung des Yudansha zu akzeptieren, vielleicht weil sie spĂŒrt, dass die Ănderungen in ihrer Einstellung bedeuteten, dass sie nie wieder dieselbe wie frĂŒher sein wĂŒrde. Es gibt viele Ausreden, aber echte, gĂŒltige GrĂŒnde sind sehr selten.
Das Folgen des Kriegsweges gleicht dem Erklettern einer Klippe: Gehe voran, ohne Pause. Pausieren ist nicht möglich, weil es RĂŒckschritte zu frĂŒheren Stadien des Erreichten bewirkt. Beharrlichkeit, Tag ein, Tag aus, verbessert die Techniken, aber Pausieren â sei es nur fĂŒr einen Tag â bewirkt RĂŒckschritte. Dies muss man vermeiden.
Wer zu diesem Zeitpunkt im Training stockt, hat immer noch den âSchĂŒlergeistâ abzuschĂŒtteln, die Reife zu akzeptieren, die man fĂŒr die Verwandlung in Yudansha benötigt. Es ist sicher kein kleiner Schritt. Ein gewisses Herzklopfen begleitet die Entscheidung des SchĂŒlers, nun weiterzufahren. Der Braungurt fĂŒhlt sich gut in den SchĂŒlerrĂ€ngen â der Ă€lteste von allen SchĂŒlern, von allen respektiert. Noch weiss er nicht, welch grosse Gaben noch vor ihm liegen. Er ist wie ein Vogel, der an der offenen TĂŒr seines vertrauten KĂ€figs zögert, bevor er gewillt ist, den ungewissen Schritt in die dahinter liegende Freiheit zu wagen.
Die Entscheidung ist persönlich. Die VorwĂ€rtsbewegung wird gleichmĂ€ssig kommen, wenn Energie in die richtige Richtung geleitet wird. TrĂ€gheit wird einem zurĂŒckziehen, sobald sich Selbstzufriedenheit einstellt. Sei auf der Hut!
DER SCHWARZGURT (1. bis 10. DAN)![]()
DER SHO â DAN (1. DAN) /
Der erste DAN bedeutet Anfang, Ausgangspunkt, und kĂŒndet von Einsamkeit, Isolierung im Erfolg, ist aber auch von Egoismus und Egozentrik gekennzeichnet. Paranoide Tendenzen können bei denen auftreten, die beim ersten DAN stehenbleiben. Er bedeutet aber auch, aufgerufen zu sein, vorrangige Stellungen einzunehmen und das eigene GlĂŒck der gemeinsamen Sache zu opfern.
An positiven Eigenschaften werden dem Sempai (Senior) in dieser Zeit Zielstrebigkeit und erfolgreich zu sein zugesprochen. Weiter ist er mit einer guten KonzentrationsfĂ€higkeit ausgestattet, schöpferisch, Neuem gegenĂŒber aufgeschlossen, energisch, vertrauenswĂŒrdig und begeisterungsfĂ€hig.
Negativ sind in dieser Zeit die Impulse dieser Karateka, hartnĂ€ckig, agressiv und herrschsĂŒchtig zu sein und wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu zeigen, sowie die mangelnde FĂ€higkeit, tiefe Freundschaften zu schliessen.
Der erste DAN ist der schwerste, aber auch der, mit dem man am schnellsten aufsteigen kann, denn durch ihn ist man dazu berufen, seine PlĂ€ne zu verwirklichen, zu leiten und aufzurichten. Er verleiht Ansehen und man wird ein AnfĂŒhrer oder ein Meister.
DER NI â DAN (2. DAN) //
Dieser DAN ist das Symbol der Zweiheit, der Doppelten, das sein Positives und Negatives in sich trÀgt, sein MÀnnliches und sein Weibliches. Der TrÀger des zweiten DAN ist der treue, seinem Meister ergebene Diener. Er ist derjenige, der durch Bescheidenheit und BestÀndigkeit den Erfolg der begonnenen Ausbildung ermöglichen wird.
Die Karateka werden in dieser Zeit als sanft, liebenswĂŒrdig, ausgeglichen, gewissenhaft, bescheiden und diplomatisch beschrieben, mit ausgeprĂ€gten intellektuellen FĂ€higkeiten, aber ohne eigentliche schöpferische Anlage, bedingt durch den Gehorsam gegenĂŒber dem Lehrmeister.
Negative Eigenschaften wĂ€hrend des zweiten DAN sind etwa, wankelmĂŒtig und zögerlich zu sein, ein besserer Untergebener als FĂŒhrungspersönlichkeit, die gelegentliche Neigung zu Grausamkeiten beim Training und zur Arglist bei PrĂŒfungen, um sein Ziel zu erreichen.
Der Weg des zweiten DAN â Grades ist fĂŒr seinen TrĂ€ger ein langsamer, ruhiger und leichter Weg zur Verbesserung seiner LehrfĂ€higkeit. Dieser Weg kann sehr weit fĂŒhren, wenn man mutig und ausdauernd mit seinem Lehrauftrag neue Wege geht. In dieser Gruppe der DAN â TrĂ€ger findet man viele Gleichgesinnte und Freunde, wenn eigene Interessen als sekundĂ€r betrachtet werden.
DER SAN â DAN (3. DAN) ///
Dieser DAN gilt als Sinnbild fĂŒr das Gleichgewicht der guten und bösen KrĂ€fte des Ichs. Er steht fĂŒr RĂŒckkehr zu Frieden, Ruhe und Harmonie, nach einer Periode von Freuden und KĂŒmmernissen. Er hat die Macht, Positives in Negatives oder Negatives in Positives umzuwandeln, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Als hochbegabt, phantasievoll, vielseitig, energisch, lebendig, geistreich und erfolgreich, stolz und innerlich unabhĂ€ngig stellten sich die Sensei (Lehrer, Meister) â so die Bezeichnung ab dem dritten DAN â dar, mit einem ausgeprĂ€gten Sinn fĂŒr die Gemeinschaft.
Negativ werden sie dahingegen als diktatorisch, launenhaft, ruhelos und gefallsĂŒchtig beschrieben und als unfĂ€hig, sich auf eine Sache zu konzentrieren oder etwas ernst zu nehmen.
Dieser Weg ist fĂŒr den TrĂ€ger ein fröhlicher und lebendiger Weg, der jedoch auch ermĂŒdend, oberflĂ€chlich und gefĂ€hrlich sein kann, wenn er seine Lehrmethoden nicht weiterentwickelt. Der dritte DAN verlangt, dass sich sein TrĂ€ger erfindersich und wissbegierig zeigt und Probleme lösen kann.
Dieser Weg fĂŒhrt auch meist zum schnellen Aufstieg, Ruhm und Ehre, ist aber auch gekennzeichnet von plötzlichem Verlust dieser ideellen Werte, aufgrund eines spontanen Einfalls oder einer impulsiven Handlung.
DER YON â DAN (4. DAN) ////
Der vierte DAN im Karate symbolisiert das Materielle, Konkrete und Solide. Er wird deshalb als besonders solide betrachtet, da er die materielle und spirituelle Vollkommenheit besitzt. Man kann ihn deshalb auch als âmĂ€nnlichâ und âweiblichâ zugleich interpretieren.
Erdverbunden, praktisch, fleissig, ruhig und ausdauernd ist der Karateka des vierten DANâs, von organisatorischer Begabung in Bezug auf die LehrfĂ€higkeit und gesellschaftlich angesehen.
Gleichzeitig wird er jedoch auch als phantasielos, wenig anregend, zeitweise schwerfĂ€llig und misstrauisch beschrieben, als ernst, mit einer Anlage zur Melancholie und zu GewaltausbrĂŒchen, da jeder Erfolg hart erkĂ€mpft werden muss.
In dieser Phase wird der Weg des Karate als ein ernsthafter, regelmĂ€ssiger und strenger Weg bezeichnet, Ă€hnlich wie eine schöne Strasse mit gut beschilderten Kreuzungen â und den Polizisten, die diese Strasse ĂŒberwachen. Hierzu gehören u.a. die stĂ€ndigen FortbildungslehrgĂ€nge und PrĂŒfungen.
Wenn es dem TrĂ€ger des vierten DAN â Grades gelingt, sich auf diesem Weg zu stabilisieren, kann er es zu hohen Auszeichnungen bringen und damit sein gesellschaftliches Ansehen fördern. Auch der materielle Erfolg wird davon nicht ausgeschlossen sein.
DER GO â DAN (5. DAN) /////
Dieser Grad steht fĂŒr das gesamte Karateleben, denn er reprĂ€sentiert die Bewegungen â die Kraft, Ausdauer, Gewandtheit, Schnelligkeit und Freiheit. Die Zahl 5 steht auch fĂŒr die fĂŒnf Zweige (Arme, Beine, Kopf), die aus dem Mittelpunkt des Menschen (Rumpf) herauswachsen und in fĂŒnf verschiedene Richtungen zeigen. FĂŒnf ist die Zahl, die den gesamten Ablauf des Lebens symbolisiert und durch die fĂŒnf Wandlungsphasen beschrieben wird. Mit dem fĂŒnften DAN â Grad ĂŒberschreitet der Meister die Schwelle zum höheren Wissen â zum Shihan (Grossmeister).
Positiv stellen sich die Ăbenden in dieser Zeit als intelligent, sympathische, reisefreudige, risikobereit, beweglich, vielseitig, unterhaltend, begeisterungsfĂ€hig und gesellschaftstĂŒchtig dar.
Negativ zu sehen sind Eigenschaften wie undurchschaubar, ungeduldig, aufbrausend und genusssĂŒchtig zu sein, mit der Neigung zu riskanten Spielen und Spekulationen. Die negative Erwartungshaltung des TrĂ€gers kann zu einem gefĂ€hrlichen Lebenswandel fĂŒhren, in dem Exzesse und Ausschweifungen nicht auszuschliessen sind.
Der fĂŒnfte DAN birgt sehr viele Risiken in sich und ist oft gefĂ€hrlich in Bezug auf sportliche und private Ăbertreibungen. Der TrĂ€ger hĂ€lt nicht das UngefĂ€hre, die Kleinigkeit oder die MittelmĂ€ssigkeit aus, und wenn er nicht die nötige HĂ€rte gegen sich und andere besitzt, wird ihm viel Leid zugefĂŒgt werden.
Der Wunsch, sich mit âHaut und Haarenâ fĂŒr eine Sache einzusetzen, birgt Gefahren und UnfĂ€lle oder Krankheiten. Der fĂŒnfte DAN verlangt deshalb von seinem TrĂ€ger eine ausgewogene Pflege seiner Gesundheit, damit sich auch auf diesem Teil des Weges Erfolge einstellen.
DER ROKKU â DAN (6. DAN) //////
Schönheit, Harmonie, Vollkommenheit der Technik und auch des Charakters werden mit dem sechsten DAN in Verbindung gebracht. Verankerung von Tradition, Meditation, Konzentration und Intuition sind in ihm enthalten. Dies gilt im Besonderen fĂŒr die eigene Entwicklung der Persönlichkeit.
Harmonisch, familienbewusst, friedlich, zuverlĂ€ssig, ehrlich, tĂŒchtig und idealistisch sind seine Eigenschaften. Ein hervorragender Psychologe und PĂ€dagoge in Wort, Schrift und allen Handlungen.
Dennoch zeigen sie sich in dieser Zeit auch zu konservativ, mit wenig Sinn fĂŒr materielle Dinge, als selbstgefĂ€llig erscheinen sie manchmal auch eingebildet mit einer Neigung zum Perfektionismus ausgestattet, bisweilen zu grosszĂŒgig, können sie fĂŒr andere bis zum âMĂ€rtyriumâ gehen.
Der sechste DAN verlangt von seinem Grossmeister, dass er sehr gewissenhaft und aufmerksam ist, um âParasiten und Intrigantenâ von sich zu halten, da diese zu viel Substanz kosten wĂŒrden. Dazu muss er sich und andere gut kennen und fĂ€hig sein, aus Erfahrungen zu lernen.
Der Weg des sechsten DAN bringt plötzliche VerĂ€nderungen und unvorhergesehene Wendungen, aber auch oft unverhoffte GlĂŒcksmomente, die den TrĂ€ger mehr als ausreichend dafĂŒr entschĂ€digen, was Neid, Intrigen, Krankheiten oder Verletzungen ihm zugefĂŒgt haben.
DER SICHI â DAN (7. DAN) ///////
Dieser DAN ist das Symbol der einmaligen Chance, der ungewöhnlichen GlĂŒcksmöglichkeit und ausserordentlichen Freiheit, die die Notwendigkeit mit sich bringt, wachsam und diszipliniert zu sein, damit der TrĂ€ger nicht in das âNichtsâ zurĂŒckfĂ€llt.
WĂŒrdig, selbstbeherrscht, intelligent, phantasievoll und opferbereit, wissenschaftliche und philosophische Neigungen sowie Sinn fĂŒr Mystik, so die positiven Eigenschaften des Ăbenden wĂ€hrend des siebten DAN.
Jedoch auch als zu ernst und wenig humorvoll, pessimistisch, unnahbar, wenig taktvoll, mit einer Neigung zu DĂŒsteren und Ausgefallenen sowie unfĂ€hig, seine guten Gedanken prĂ€zise auszudrĂŒcken.
Dieser Weg ist ein Weg zu grosse SpiritualitÀt und zu selbstlosen Erfolgen. Der TrÀger des siebten DAN kann ein grosses Schicksal erleben, wenn er materielle Dinge als sekundÀr betrachtet. Meditation und Introspektion begleiten ihn auf seiner spirituellen Suche.
Dieser Abschnitt im Karate â Leben ist im allgemeinen ein begeisternder Weg, gekennzeichnet von bedeutsamen Freundschaften und grossartigen Begegnungen, aber auch von einer gewissen Angst vor Leben und Tod beeinflusst.
DER HACHI â DAN (8. DAN) ////////
Der Inhaber des achten DAN beginnt nun auf dem Weg der Erkenntnis zu wandeln. Dieser neue Weg konfrontiert den an einen bestimmten Lebensrhytmus gewöhnten Grossmeister mit einer anderen Lebenseinstellung. Willentlich oder aufgrund eines besonderen Ereignisses Àndert er seine Lebensart.
Als stark, widerstandsfĂ€hig, praktisch, mit der FĂ€higkeit zum wirtschaftlichen Denken zeigt sich der Karateka jetzt, erfolgreich durch grosse Anstrengungen, vorsichtig und zĂ€h in seinen BemĂŒhungen.
Es sind jedoch auch negative Eigenschaften festzustellen und dann scheint der Ăbende hart, selbstsĂŒchtig, materialistisch, schwerfĂ€llig und skurpellos zu sein, er lĂ€sst seine SchĂŒler lange im Unklaren, und der Wille zur Rebellion ist ihm anzumerken.
Mit dem achten DAN beginnt ein Teil des Weges, der zu einem brillianten oder zu vielen neuen Erfolgen fĂŒhren kann. Der Karateka hat die Wahl, entweder einige Abschnitte des bisherigen Weges zu wiederholen oder verschiedene Abzweigungen zu wĂ€hlen, indem er sich in mehreren Disziplinen versucht.
Man kann diesen Teil des Weges als einen grossen Platz ansehen, von dem mehrere Streckenabschnitte abzweigen. Es ist ein Weg der Begeisterung, der ehrgeizigen ImpulsivitÀt und des Wunsches nach Erfolg und auch des rechtzeitig erkennten Irrtums.
DER KU â DAN (9. DAN) /////////
Diese gilt als Symbol des Idealismus und des Edelmuts. Er bedeutet die Suche nach Vollkommenheit und Streben nach den spirituellen und geheimnisvollen KrĂ€ften. Er bedeutet das Ăberschreiten der âkosmischen Schwelleâ, den Zugang zum ersten Grad der kosmischen Erkenntnis. Er beinhaltet auch das Traumhafte, das Poetische sowie die Sublimierung des innerlichen Antriebes.
Als idealistisch, hellsichtig, leidenschaftlich, hilfreich, romantisch und charmant erweist sich ein Karateka des neunten DANâs, als willensstark, begeisterungsfĂ€hig und inspirierend â eine Person mit hohen spirituellen Eigenschaften.
Negativ erscheint dieser Mensch jedoch als impulsiv und intolerant, hartherzig, selbstgefÀllig und egozentrisch.
Dieser Weg fĂŒhrt zu höherer materieller und spiritueller Vollkommenheit. Es ist der grosse und herrliche Weg derer, die ihre Phantasie arbeiten lassen können. Wer diesem Weg folgt, wird andere Welten entdecken, vorausgesetzt, er âschnĂŒrt sein BĂŒndel rechtzeitigâ. Dieser Weg ist der Weg der freien und ungewöhnlichen Entfaltung.
Die Aufgabe des Inhaber des neunten DAN ist, anderen Meistern bei ihrer Selbstfindung zu helfen, obwohl er dabei alleine bleiben muss. So wird ihm Ruhm, Ehre und Vermögen zu teil, wo er es am wenigsten erwartet.
DER YU â DAN (10. DAN) //////////
Der zehnte DAN ist die höchste Meisterstufe im Karate â Do, die GlĂŒck, Erfolg, Ehre und Vermögen eines wahren Meisters in Bezug auf seine seelischen, geistigen und körperlichen FĂ€higkeiten darstellt. Er reprĂ€sentiert Begehrlichkeit, grosse Willenskraft, Festigkeit, KĂŒhnheit, KaltblĂŒtigkeit, Frechheit und Sicherheit.
Intuitiv, mit der FĂ€higkeit zu intensiven Erleben ausgestattet, erscheint der Inhaber dieses DAN â Grades als eine sehr starke Persönlichkeit, vital und von grossem moralischem Mut, mit hohen spirituellen Leistungen auf allen Gebieten.
Ein Meister des zehnten DAN kann jedoch auch als zu impulsiv und intolerant, zeitweise hartnĂ€ckig und schwerfĂ€llig, mit einer Neigung zu diktatorischer Erziehung mit ĂŒberharten Strafen empfunden werden.
Der zehnte DAN verleiht seinem Inhaber AutoritĂ€t, physische und psychische Kraft, StĂ€rke und Robustheit sowie schöpferischen Geist. Sinn fĂŒr Grösse, natĂŒrlichen Stolz, WĂŒrde und schnelle Auffassungsgabe kombiniert mit Weitblick sind die herausragenden Merkmale solcher aussergewöhnlichen Persönlichkeiten.